Wie Eugia begann
Eugia entstand an einem heißen Sommertag. An einem dieser Tage, an denen die Hitze unerträglich ist, die die Nerven strapaziert und Spannung erzeugt, an denen man sich nur nach etwas Abkühlung im Meer sehnt… aber keinen Zugang dazu hat, weil die sogenannte „Entwicklung“ der Region das Meer ausschließlich für ihre Kunden reserviert hat. Und du, als „Nicht-Kunde“, bist unerwünscht.
Du kannst nicht schwimmen, nicht am Strand spazieren, keine frische Luft atmen – nur den Geruch der Kläranlagen. Du kehrst ins Dorf zurück. Die Nachbarschaft ist verlassen. "Kunden" ziehen ihre Koffer. "Kunden" schreien in den Pools. Immobilienmakler suchen Gelegenheiten für ihre Klientel.
„Ich werde ein Schild vor meinem Haus anbringen, für den 'Kunden', der vorbeikommt“, war der erste Gedanke.
„Jedes Mal, wenn du kommst, nimmst du mir ein Stück meines Raumes“, wird darauf stehen.
Und das albtraumhafte Experiment Universum 25 von John Calhoun scheint bereits begonnen zu haben.
„Aber was, wenn dieser 'Kunde' nicht nur als Tourist kommt, sondern als Besucher?“ Ein zweiter Gedanke durchfährt Herz und Verstand. Besucher mochte man schon immer – vor allem die unerwarteten. Besucher, die den Raum des Gastgebers respektieren und ihn nicht vereinnahmen.
Vielleicht, wenn sie die Nachbarschaft besser kennenlernen könnten, den Ort, der sie beherbergt. Und wenn die Bewohner die Besucher etwas besser kennenlernen könnten?
Eugia begann als eine Initiative zur Reflexion über unseren Ort. Nicht nur zum Erinnern, sondern zum Wiederbegegnen – Einheimische, Besucher, Freunde, Verwandte, Alt und Jung.
Es gibt keine Organisation, keine Finanzierung. Nur der Wunsch, Wörtern wie „Nachbarschaft“, „Teilen“, „Begegnung“ wieder Bedeutung zu geben.
Jede Seite, jedes Video, jedes Foto, jeder Abend ist ein Samen. Er kann in der Erde bleiben oder keimen. Wir kontrollieren es nicht – und das ist auch nicht nötig. Was zählt, ist die Absicht und die Freiheit, mit der wir säen.
Wir lassen uns inspirieren von denen, die weitergehen, ohne Bestätigung zu suchen, ohne am Ergebnis zu haften.
„Frage nicht: 'Werden wir siegen? Werden wir besiegt?' Kämpfe!“ – N. Kazantzakis
Wenn du teilnehmen möchtest, organisiere dein eigenes „Veggéra“ oder kontaktiere uns. Es gibt keine Einladungen – die Tür steht offen.
Wo ist Eugia?
Eugia befindet sich in Kournas – eine Nachbarschaft voller Geschichte und Seele. Hier dufteten die Höfe nach Kalk und Blaufärber. Die Nachbarn grüßten sich beim Vornamen, und im Sommer gab es Veggéras.
Auf ihren Straßen wurden tausende Geschichten erzählt – manche suchen wir noch immer.
Eugia ist ein Knoten zwischen Damals und Heute. Zwischen dem, was vergessen wird, und dem, was es wert ist, zu bleiben.
Warum „Eugia“?
Weil man sagt: „Es hat aufgeklart – es ist Eugia!“
Das Wort „Eugia“ ist ein kretisches Derivat des altgriechischen Begriffs für „heiteres Wetter“ (εὐδία).
Ein Wort aus uralter Zeit. Es trägt das Licht durch die Reime der Dichter und die Alltagssprache der Menschen.
< ευ-διF-ᾱ
Zusammengesetzt aus "ευ" (gut) und einer alten Form für „Tag“.
Vgl. Zeus → DiFos und das Adjektiv dios (< διFιος).
Ähnlich dem altindischen sudiv, su-divam – „schöner Tag“.
Es enthält sowohl das „εὖ“ (gut) als auch „δία“ (Tag, Licht des Tages).
Sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinn: heiteres Wetter, klarer Himmel, innere Ruhe, körperliche Gesundheit.
Beispiele aus antiken griechischen Texten:
- „ἐκ χειμῶνος εὐδία“ – Pindar
- „ἐν εὐδίᾳ γὰρ ὁρῶ ὑμᾱς“ – Aischylos
- „σαρκὸς εὐδία“, „εἰς ἔμ᾿ εὐδίαν ἔχων“
„Es hat sich aufgeklart, Zeit, zu den Oliven zu gehen“
„Morgen wird es Eugia sein“
„Es klart einfach nicht auf“
„Es war drei Tage lang Eugia…“
Wendungen, die man immer seltener hört, die aber in Erinnerung geblieben sind.
„Die Schultern des Tages lehnen sich an das Licht der Sonne“
„Ἄνε ου ήλιου τους“ – Od. Elytis
🌿 Es hat aufgeklart
Eugia ist nicht nur ein Ort. Es ist eine Haltung. Eine selbstbewusste Haltung.
Sich mit Gedanken, Gefühlen, Zweifeln, Einsprüchen, Intuitionen, Humor und Talenten anderer zu verbinden.
Und diese als Spiegel zurück zur Seele zu reflektieren.
Es gibt kein Programm.
Es gibt keinen „richtigen Weg“.
Nur die Bereitschaft zum Teilen
und die sanfte Kraft des Staunens.
Das Geschenk der Teilnahme
Ein inneres Lächeln und ein Kloß im Hals oder im Herzen –
manchmal bringen sie Angst, manchmal ungeahnte Kraft.
Sie haben dich zum Maler, Dichter, Musiker, Lehrer, Schriftführer, Philosophen gemacht.
(Humor und Selbstironie helfen immer...)
Sie brachten dich aus fernen Ländern hierher – zwischen Agia Varvara und Agios Georgios.
Sie ließen dich zurückkehren nach den Labyrinthen deines Lebenswegs.
Eugia will die Welt nicht verändern.
Sie verkündet leise:
„Sei du selbst die Veränderung, die du in der Welt sehen willst“
Sie umarmt die Eigenart eines jeden von uns
und glaubt an Wunder –
an kleine, unerwartete Erkenntnisse in den Tiefen unserer Seele.
